Herzog Eberhard III. von Württemberg schenkte der Festung Hohentwiel bei einem Besuch im Jahr 1652 ein Gästebuch, das er selbst mit dem Satz „Alles mit Gott“ eröffnete. In der Folgezeit bis 1800 lassen sich über 900 Eintragungen zählen.
Während viele der Schreiber Gottes Segen erbitten, ihren derzeitigen Aufenthaltsort loben oder verfluchen und derbe Sinnsprüche notieren, thematisiert eine erkleckliche Zahl den Brauch des Steinetragens. Dieser von Herzog Ulrich im 16. Jahrhundert erfundenen Sitte nach, musste jeder Festungsgast mindestens vierzig Pfund Steine auf den Hohentwiel tragen. Auf der Burg erhielt er dann als Lohn einen Willkommenstrunk:
"Ich hab getragen gar nicht schwer,
Hergegen gesoffen desto mehr"
(Freiherr von Ow, 12.4.1697)
"Stein tragen ist fast eine Plag,
Drum gieng dem Corpus juris mit der Klag
49 Pfund in der Schwer,
Truckten mich empfindlich sehr"
(Kammerdiener Johann Georg Friedrich Pistor)
So manchen Besucher des Hohentwiels übermannte die dichterische Einbildungskraft: Eine Vielzahl von Gedichten gibt Zeugnis von den literarischen Assoziationen, die der berühmte Ort hervorrief:
Euch grüß ich, Uferfächer
Des Bodensees, entzückt,
Wie einen Freudenbecher
Hat Euch Natur geschmückt.
Gleich Hesperiden blühend,
Lacht Euer Zauberkreis,
Im Schmelz der Farben glühend
Die Stirn im Gletschereis.
(...) Hoch über den Gewässern
Steht´auf getürmten Kranz
Von alten stolzen Schlössern
Erlosch´ner Zeiten Glanz.
Du Hohentwiel, vor allen,
Sinnbild der Heldenkraft,
Pflegst einst in Hadwigs Hallen
Gesang und Wissenschaft.
Und liegst du auch begraben
In deiner Ahnengruft,
Frau Herzogin von Schwaben, -
Wie ewiger Rosenduft
Umweht´s mit reicher Welle
Heut´jeden, der sich naht
Der waldumschlossnen Stelle,
Die einst dein Fuß betrat.
(G.Gagg)
veranlassten den Rechtsgelehrten und Staatsgefangenen Johann Jakob Moser zu einer Niederschrift:
"Hühnerfüttern ist an und für sich eine Handlung, die auch der geringste Bauer oder die schlechteste Magd versehen kann. Aber anders denkt dabei ein Staatsmann, anders ein Weltweiser, anders ein kluger oder dummer Bauer oder Magd. (...)
Sobald ich den Kopf zum Fenster hinausstrecke, empfangen mich die Hühner mit ihrem Concert, und ich vergnüge mich über dieser natürlichen, ungekünstelten und mit einem Bröckelein Brods belohnten Musik mehr, als gewiß mancher große Herr, der von Staatsgrillen geplagt wird, bei den größten Concerten, die man in die Zeitungen setzte, Vergnügen findet. (...)
Ungebetenerweise fand sich den Grundgesetzen dieser Fütterungsverfassung entgegen eine Gans dabei ein, ohne Zweifel nach Zeit und Umständen von ihrer Übermacht zum Nachteil der Hühner dabei zu profitieren. Zuweilen stunden einige Hühner zusammen und gingen gesamter Hand auf die Gans los, welche sich dann aus dem Staube machte. (...)"
Über dem Hegau lag ein trüber bleischwerer Himmel, doch war von der Finsternis, die bekanntlich über dem ganzen Mittelalter lastete, im einzelnen nichts wahrzunehmen. Vom Bodensee her wogten die Nebel übers Ries und verdeckten Land und Leute. (...)
Darüber ragte die Kuppel des hohen Twiel mit ihren Klingsteinzacken in die Lüfte. Als Denkstein stürmischer Vorgeschichte unserer alten Mutter Erde stehen jene schroffen malerischen Bergkegel in der Niederung, die einst gleich dem jetzigen Becken des Sees von wogender Flut überströmt war (...)"